30.05.2012

Unsere erste 2-Tagestour auf dem Dreiradtandem

Seit etwa einem Jahr kenne ich nun das Ehepaar Appelbaum und seine Idee des begleiteten Radfahrens. Schon seit den ersten noch kurzen Ausfahrten träumten wir von der Möglichkeit einer Mehrtagestour. Dieser Traum ging am 23./24.Mai für die Appelbaums, Frau Timm – eine mir bis dahin noch unbekannte weitere Kundin – und mich in Erfüllung. Nachdem Herr Appelbaum unser Gepäck incl. meines Faltrollstuhls auf den beiden Spezial-Fahrrädern und einem Anhänger verstaut hatte, starteten wir um 10:00 Uhr bei idealem Fahrradwetter gut gelaunt in der Schubertstraße in Hilden.

Zur Feier des Tages trug ich mein T-Shirt vom letzten CSC in Langenfeld. Unter dem Motto „Gemeinsam rollt’s“ starten dort Menschen mit und ohne Handicap alljährlich zu einem Rennen. Und genau diese Idee lebten wir nun, wenn auch unser Tempo eher beschaulich war. Denn wir wollten ganz bewusst die vielen Schönheiten am Wegesrand erfahren. Und viele positive Erfahrungen durften wir unterwegs sammeln. Seien es die aufmerksamen und netten Bedienungen oder fleißige Erdbeerpflückerinnen, die uns begeistert zuwinkten, oder die Hand anlegenden Straßenbauarbeiter, die uns durch eine Baustelle halfen.

Herr Appelbaum hatte in sicher tagelanger Arbeit eine ideale und dabei wunderschöne Strecke für uns ausgearbeitet. Die Urdenbacher Kämpe, die Überquerung des Rheins bei Zons, das alles waren nur einige Wegmarken auf unserem Weg nach Kloster Knechtsteden, wo wir im Restaurant „Klosterhof“ zur Mittagspause einkehrten.

Obwohl die Salatteller von Frau Timm und mir frisch und lecker zubereitet waren, schafften wir die Menge einfach nicht. Leider fühlte ich mich schon den ganzen Tag nicht ganz fit. Sicher hätte ich mir nach den ereignisreichen Tagen der Vorwoche etwas mehr Zeit zum Ausruhen nehmen müssen. Nur woher nehmen? Weniger ist eben manchmal mehr! Nicht nur die Akkus unserer Fahrräder mussten aufgeladen werden, sondern mein innerer gleich mit. In der herrlichen Maisonne wäre ich fast auf meinem Stuhl eingeschlafen. Dabei hatte ich doch gar nicht von der Spezialität des Hauses, dem Knechtstedener Schwarzbier, probiert. Frau Appelbaum, die meine Misere erkannte, versuchte über Therapeutic Touch, in dem sie gerade ausgebildet wird, mir zu helfen.

Vom eigentlichen Kloster und seinen Bewohnern erfuhren wir allerdings nicht viel. Dies muss zusammen mit dem Schwarzbier beim nächsten Besuch unbedingt nachgeholt werden! Schon bald ließen wir die Türme der Basilika hinter uns und durch die abwechslungsreiche, aber angenehm flache und meist verkehrsarme Landschaft radelten wir weiter in Richtung Schloss Dyck.

Gemeinsam wurde dort die Entscheidung getroffen, den Schlosspark noch an diesem Nachmittag zu besichtigen. Obwohl der Zugang Fahrradfahrern normalerweise verwehrt ist, durften wir dank einer Sondergenehmigung die Wege befahren. Nur um 18:00 Uhr war Feierabend und die Tore wurden für den Tag geschlossen.

Uns allen lag wenig an einer Übernachtung unter freiem Himmel. Deshalb verließen wir ganz pünktlich das Schlossgelände. Zu sehr lockten mittlerweile Unterkunft und Verpflegung im nahegelegenen Nikolauskloster. Hier verpasste Herr Appelbaum leider den Bienenstich, von dem er mir unterwegs immer wieder vorgeschwärmt hat. Wieder ein Punkt für das nächste Mal.

Nach einer kurzen Ruhepause (für alle) und Katzenwäsche (für mich, zu mehr konnte ich mich trotz der frisch renovierten, in neuem Glanz erstrahlenden und behindertengerechten Sanitäreinrichtungen nicht mehr aufraffen) durften wir gleich zum Abendbrot kommen.

Pünktlich um 8:30 Uhr saßen wir am nächsten Morgen alle am Frühstückstisch. Vorher unternahm Herr Appelbaum noch mit mir einen Spaziergang durch diese überirdisch wirkende Oase, die zu bewahren und fremden Besuchern zu öffnen sicher harte Arbeit bedeutet.

Wie am Vortag starteten wir auch am 2. Tag unserer Tour um 10:00 Uhr. Nach wenigen Kilometern trafen wir schon auf den Erft-Radweg, dem wir bis zu seiner Mündung in den Rhein folgten. Kurz: eine Tour, wie sie abwechslungsreicher kaum sein kann. Das Besondere dabei ist, dass der Radler nahezu durchgängig neben dem Fluss und unter topographisch günstigen Bedingungen radeln kann. Dieser Wegabschnitt gefiel mir – falls das überhaupt möglich ist – noch besser als die am Vortag gewählte Route.

Nur an einer Stelle fand sie fast ein vorzeitiges Ende: Hatten uns doch Bauarbeiter mit einem großen, nicht zu überwindenden Erdhaufen den Weg versperrt. Nun war guter Rat teuer. Aber die anfängliche Ablehnung der Bauarbeiter schlug in ein begeistertes Zupacken um: Innerhalb von wenigen Minuten hatten sie das Problem für uns gelöst und geleiteten uns sicher durch die Baustelle.

So erreichten wir gegen Mittag den Rhein und überquerten ihn auf der Kardinal-Frings-Brücke. Die 780 m lange Stahlhohlkastenbrücke verbindet Neuss mit Düsseldorf. Aber bevor wir den geplanten Rastplatz für die Mittagspause erreichten, machte das erste Akku schlapp. Und so legten wir die Pause etwas früher als geplant ein in der Gaststätte der Kleingartenanlage Aderdeich – eine lange und erholsame Pause beim ausgesprochen leckeren Mittagsangebot des Tages. Dazu ein kühles, alkoholfreies Bier. Was will Frau/Mann mehr?

Durch verschiedene Düsseldorfer Stadtteile (Volmerswerth, Himmelgeist, Flehe) ging es möglichst am Rhein entlang über verkehrsarme Straßen bis nach Benrath. Da die Akkus tapfer durchhielten, verzichteten auch wir auf eine Pause in den Rheinterrassen und fuhren gleich durch nach Hilden. Nur die Zeit für das obligatorische Benrath-Foto nahmen wir uns.

Von Benrath aus ging es dann wieder zurück nach Hilden. Wie schön, dass diese wunderbare 1. Mehrtagestour so ganz ohne Pleiten und Pannen geklappt hat. Ich bin gespannt, wann ich Frau Timm wieder einmal begegne. Sie war eine sehr angenehme, sympathische Begleitung und verlangte mir durch ihre positive Lebenseinstellung viel Respekt ab. Sie, die sehr schwer Sehbehinderte, verabschiedete sich von mir mit den Worten: „Wir sehen uns bestimmt bald einmal wieder.“ Ja, da kann ich „lahme Ente“ nur hoffen, dass wir uns wirklich bald einmal wieder über den Weg laufen. Das Ehepaar Appelbaum macht dies sicher irgendwann möglich. Vielleicht bei der nächsten Mehrtagestour oder beim CSC in Langenfeld? Dem Ehepaar Appelbaum gilt wie schon so oft mein Dank und meine Bewunderung. Mögen sie immer sicher ihren Weg mit Mut und Zuversicht fortsetzen können.

Es bedeutet mir viel, dass ich dabei sein durfte.
Monika Spielmann

Mehr Bilder von der 2-Tagestour finden Sie auf der Seite Fotoalbum.

Frau Spielmann, Frau Timm, Frau und Herr Appelbaum starten gemeinsam auf zwei Dreiradtandems zur ersten 2-Tagestour




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