01.05.2012

... wenn doch jemand käme und mich mitnähme

Die folgende Kurzgeschichte entstand, nachdem die Freundin der Autorin begeistert von ihrer ersten Fahrradausfahrt auf dem Dreiradtandem erzählt hatte. Wir danken der Autorin, Frau Lucas, für die freundliche Genehmigung, die Geschichte hier wiederzugeben.

Es war für Renate ein schwerer Entschluss, nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes die Wohnung zu verlassen. Nach kurzer Suche fand sie „Haus Elisa“ in Hilden. Nun lebt sie schon drei Jahre hier und akzeptiert ihr neues Zuhause.

Gerade in der vergangenen Woche tauchte nach den ersten Strahlen der Frühlingssonne nach dem langen Winter der Gedanke auf: „Ach, wenn doch einer käme und mich mitnähme!“ Kurz entschlossen ergreift Renate die Initiative, macht sich stadtfein und ergreift schwungvoll ihren Rollator, um sich in das Getümmel der Kleinstadt zu stürzen.

Zuerst geht es über einige Straßenkreuzungen zur Hauptgeschäftsstraße. Aber alles kennt sie bereits, sie wollte eigentlich einmal etwas Neues, etwas anderes erleben – in ihrem Alter! Ist das nicht doch zu viel verlangt?

Ein Sonnenstrahl stiehlt sich durch das Einkaufsgetümmel der Fußgängerzone. Dann ist da plötzlich ein ganz unerwartetes Geräusch, wie Glockengeläut. Das kommt ihr bekannt vor. Das kennt sie doch noch aus ihren früheren sportlichen Zeiten – eine Fahrradklingel! Mitten in der Fußgängerzone, wo doch Fahrradfahren verboten ist. Aber es ist kein Irrtum! Was ist das?

Ganz abrupt stoppt Renate ihren Rollator und strahlt über das ganze Gesicht, als sie entdeckt, woher der Klingelton kommt. Vor ihr steht ein Ungetüm von Fahrrad – nein – eigentlich sind es zwei Fahrräder in einem, ein Tandem mit drei Rädern und mit zwei Sitzen nebeneinander.

Begeistert verwickelt Renate den Fahrer in ein Gespräch, schnell bildet sich eine Menschentraube um dieses sensationelle Gefährt. Renate hat ihren alten Elan noch nicht verloren und schreitet sogleich zur Tat. „Kann man Sie mieten?“, fragt sie spontan, während sie sich unauffällig an ihrem Rollator abstützt. „Aber sicher, gerne“, bekommt sie zur Antwort. Schnell wird man sich handelseinig und macht einen Termin aus.

Drei Tage später kommt der große Augenblick. Pünktlich am Sonntagvormittag stehen nun Fahrer und Gefährt vor dem ehrwürdigen „Haus Elisa“. Renate, unternehmungslustig gestylt, kann den Start kaum erwarten. Sie ersteigt dieses eindrucksvolle Gefährt und los geht das Abenteuer.

Zuerst fahren sie durch die Innenstadt. Ein vollkommen neues Fahrerlebnis. Alles geht so leicht, dass sich bald ein wahres Glücksgefühl einstellt, das sich dem ganzen Umfeld mitteilt. Alle Passanten werden von der heiteren Laune angesteckt, lachen und winken Renate begeistert zu. Diese winkt glücklich zurück und nickt wohlwollend all den netten, lieben Menschen zu wie Queen Elizabeth auf ihrer Fahrt durch London. Dann geht es raus aus der Stadt und hinein in die Natur, die rund um Hilden nicht nur zauberhaft ist, sondern auch sehr fahrradfreundlich. Das Wetter spielt auch mit, die Sonne wärmt schon und Renate tritt mächtig mit in die Pedale. Sie kann nicht genug bekommen. Alles geht so leicht, die trüben Gedanken sind durch das Tempo wie weggeblasen. Jetzt sind nur noch Freude und Leichtigkeit in ihr. Was für ein herrlicher Tag! Was für ein einmaliges Erlebnis nach der Tristesse des langen Winters!

Aber so langsam wird nun auch Renate müde, als sie feststellt, dass sie schon über eine Stunde unterwegs sind. Also lenken sie das Gefährt in Richtung „Haus Elisa“, wo schon eine Menschenmenge auf die Abenteuerin Renate wartet. Alle jubeln, am meisten Renate, die nun inmitten des Pulks ihren Sohn entdeckt. Der war eigentlich zum Wochenende gekommen, um sich nach dem Wohlergehen seiner 80-jährigen Mutter zu erkundigen. Kaum erblickt er sie auf diesem monströsen Gefährt, ruft er nur besorgt aus: „Ja, sag mal, was machst du denn da?“, und Renate antwortet: „Ich habe soeben eine herrliche Radtour rund um Hilden gemacht und mir geht es prächtig!“ Er sieht nur seine strahlende Mutter vor sich und beruhigt sich auch sehr schnell, weiß er doch nur allzu gut aus früheren Zeiten, dass diese Frau immer für eine Überraschung gut ist.

Wie begann dieser abenteuerliche Tag noch? Mit dem Wunsch: „Wenn doch jemand käme und mich mitnähme …“

Mit Sonnenschein, Tempo, Stolz und einem unglaublichen Glücksgefühl ging dieser Wunsch an diesem ersten Frühlingssonntag in Erfüllung. Es war jemand gekommen und hat mich mitgenommen. Wiederholung jederzeit möglich!!!

(Frau M. Lucas)

Zwei Personen fahren auf dem Dreiradtandem einen Waldweg entlang




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