19.09.2013

Sonderpreis – „Was geht! Sport, Bewegung und Demenz“

Unser Projekt „Begleitete Radfahrten“ hat bei der Ausschreibung „Gute Praxis“ des Projekts „Was geht! Sport, Bewegung und Demenz“ der Demenz Support Stuttgart einen mit 200 € dotierten Sonderpreis erhalten. Darauf sind wir sehr stolz und bedanken uns sowohl bei der Jury als auch bei allen unseren Mitfahrern.

Begründung der Jury:

Das Projekt setzt bei einem zentralen Problem, den Mobilitätsbarrieren, an.

Als offenes Angebot bietet es allen Menschen, die in ihrer Mobilität behindert werden, Möglichkeiten der Teilhabe. Sie werden in die Lage versetzt, Natur, den öffentlichen Raum und das Gemeinwesen wieder zu erleben.

Das Projekt wird besonders gewürdigt als Einzelinitiative von Privatpersonen, die das Angebot konzipiert und zu einer Dienstleistung entwickelt haben.

Ausschnitte aus unserer Bewerbung:

Viele Menschen mit einer Demenzerkrankung sind früher Rad gefahren oder haben sich anderweitig sportlich betätigt. Durch die Erkrankung ist es ihnen oft nicht mehr möglich, ihren Sport in gewohnter Weise weiter auszuüben. Dennoch möchten die meisten auch weiterhin körperlich aktiv sein und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sie brauchen Angebote, die ihre Fähigkeiten und die Lust an der Bewegung fördern, ihnen aber gleichzeitig Sicherheit bieten und Defizite wie z.B. abnehmendes Orientierungsvermögen, Gleichgewichtsstörungen oder Bewegungseinschränkungen auffangen.

Gerade in der frühen Phase der Erkrankung wird ein Bewegungsangebot wie das begleitete Radfahren gerne angenommen. So kann es helfen, Beweglichkeit, Aktivität und Teilhabe am normalen Leben über einen langen Zeitraum hinaus aufrechtzuerhalten. Demenzkranke Menschen, die ihr ganzes Leben lang mit dem Rad gefahren sind oder sich sportlich betätigt haben, erleben die damit verbundene Freude bei unseren gemeinsamen Radausfahrten wieder. Darüber hinaus bietet das Radfahren ein Erfolgserlebnis – „Ich kann das noch!“ – und aktiviert positive Erinnerungen an frühere Unternehmungen oder Lebensabschnitte.

Gemeinsam fahren wir in die Natur, durch Naherholungsgebiete, Parks, Fußgängerzonen oder auch mal zu einem Feuerwehrfest. Wir sind also mitten drin im Leben. Gerne fahren unsere Mitfahrer mit uns auch zu Orten, an denen sie früher gelebt oder gearbeitet haben, sie erzählen aus ihrem Leben oder erklären uns als „Neu-Rheinländern“ die Umgebung. Oft klönen wir über alltägliche Dinge wie das Wetter oder wie es der Familie geht. Es ist ein lebendiger Austausch, es wird gelacht und wir erfahren dabei viel Interessantes. Dabei treten unsere Mitfahrer meist kräftig in die Pedale und die Zeit vergeht wie im Flug.

Auch Mitfahrer mit weiter fortgeschrittener Demenzerkrankung genießen die Ausfahrten. Äußere Wahrnehmungen wie Fahrtwind, Vogelgezwitscher, verschiedene Gerüche und wechselnde Umgebung regen ihre Sinne an und können Erinnerungen reaktivieren. Immer wieder machen wir die Erfahrung, dass Menschen, die sich aufgrund ihrer Demenz mehr und mehr in sich zurückgezogen haben, wieder beginnen, zu erzählen und sich mitzuteilen. Viele erzählen von früher, aber auch von Dingen, die sie im Moment bewegen oder erfreuen. Mit einigen Mitfahrern singen wir oder genießen einfach still die Eindrücke während der Ausfahrt.

Herr Appelbaum mit einem demenzkranken Herrn auf dem Dreiradtandem




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Unser Motto

Wenn deine Ziele groß sind
und deine Mittel klein,
handle trotzdem,
denn durch dein Handeln
vergrößern sich auch deine Mittel.

(Chinesisches Sprichwort)

Adresse

Begleitete Radfahrten
Wolfgang Appelbaum
Gustav-Mahler-Straße 44
40724 Hilden

Tel: 02103 / 9 78 41 06
Mobil: 0170 / 2 12 69 30
E-Mail: info@begleitete-radfahrten.de